Lulu    Alban Berg

Company:Theater Augsburg
2011/12
Director:Monique Wagemakers
Set Designer:Momme Röhrbein
Costume Designer:Angelika Rieck
Lighting Designer:Monique Wagemakers
Conductor:Dirk Kaftan & Carolin Nordmeyer
Dramaturg:Juliane Votteler & Marlene Hahn

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Reviews:

  • Die Zielscheibe Lulu

    Das ist deutlich. So deutlich und klar wie die Inszenierung von Monique Wagemakers insgesamt bis zur Peripetie des Abends. Werktreu, handwerklich sauber, in sich geschlossen schildert sie den Aufstieg der Lulu im Dickicht der Städte. Erst deren Fall dann später zur Dirne geht szenisch enorm an die Nieren. Gut möglich, dass Wagemakers anfänglicher Abstand zu einem individuellen, alles überwölbenden Interpretations-Wurf vorerst genau das Angemessene bleibt für die unerschöpflich vielschichtige „Lulu" - zumal diese vom breiten Publikum ob ihrer soghaften Verdichtung von Künstler- und Zeitoper, von Sozial- und Psychodrama noch nicht wirklich erkannt und geliebt wird.

    Augsburger Allgemeine, Rüdiger Heinze

  • Erstaufführung der Kloke-Fassung des Schlussaktes von Bergs „Lulu“ in Augsburg

    Regisseurin Monique Wagemakers hat darin die Entlarvungen und Abstürze einer moralisch verlogenen und entsprechend inhuman verbogenen Männerwelt sinnfällig erzählt. Ein möglicher, spezifisch weiblicher Regie-Blick auf eine Welt, in der Liebe auf Sex und Sex zur geldwerten Ware reduziert wird. […]  Staunenswert war, dass Augsburg bis auf den 87-jährigen(!), perfekt rollendeckenden Franz Mazura als Lulus Penner-Vater Schigolch alle wichtigen Rollen aus dem Hausensemble besetzen kann. […]  eine gläsern durchsichtige Lounge oder Loft-Halle, die sich mit wenigen Möbeln und Hintergrundprojektionen verwandelt, in der aber vor allem Drehtüren das Sex-Karussell der Männer gleichsam „rasant“ ermöglichen – sie alle zielen auf Lulus Bild als Messerwerfer-Zielscheibe, wovon am Ende nur ein brüchiger Fetzen als letzter Teppich übrig bleibt. […] Aber dennoch: Augsburg hat als erstes bundesdeutsches Opernhaus die Diskussion um Bergs „Lulu“ vorangetrieben.

    Bayerische Staatszeitung, Neue Musikzeitung, Wolf-Dieter Peter

  • Regisseurin Monique Wagemakers scheint nicht daran interessiert, Lulu als ein der raubendes Wesen zu präsentieren. Sie macht deutlich, dass diese Frau es vor allem perfekt beherrscht, in jeden vorgeführten Moment das richtige Verhalten und die passende Aufmachung einzubringen, um zu erreichen, was sie will. […] Von einer Station treibt es Lulu zur nächsten. […]  Später, als ganz in Rot aufgemachte Frau von Dr. Schön, ist Weichheit angesagt. Im letzten Akt, zielstrebig das eigene Ende forcierend, stolziert Lulu, wie Courtney Love in schimmer Verfassung, über die Bühne. Egal wie sie sich gibt und kleidet, Lulu bleibt immer Lulu, jede Veränderung ist nur zum Schein. […]für „Lulu“ von enormen Spannkraft und verstorender Schönheit.

    Das Opernglas, K.-F. Schulter

  • Eine junge Frau auf einer rotierenden Zielscheibe, wie sie Messerwerfer benutzen. Scheinbar die Vorbereitung für eine glänzende Zirkusnummer. So beginnt die Augsburger "Lulu". Am Ende ist die rot-schwarze Zielscheibe nur noch ein alter Teppich-Lumpen, und die Frau kämpft mit löchrigen Strümpfen auf dem Elendsstrich um ihre letzten Freier. Was dazwischen passiert, ist nicht ganz leicht zu beschreiben.[…]

    Die niederländische Regisseurin Monique Wagemakers und ihr Bühnenbildner Momme Röhrbein verlegten die Handlung in ein aschgraues, fahles Treppenhaus. Gläserne Drehtüren spiegeln kaltes Licht, ein paar schäbige Möbel stehen herum, ein denkbar lustfeindliches Umfeld. Riesengroß glänzen blaue Baby-Augen auf einer Leinwand, überblendet von den Augen der Kindfrau Lulu, in der sich alle männlichen Sehnsüchte bündeln. Sophia Christine Brommer spielt diese Lulu unbekümmert tänzelnd, und ist dabei jede Minute glaubwürdig. Sie übertreibt es nicht mit laszivem Augenaufschlag und einer heute schnell lächerlich wirkenden Verruchtheit, sondern bleibt eine vermeintliche Unschuldsfigur, die erst durch die Männer zu einer gefühlskalten, aber dennoch erotischen Bestie gemacht wird. Eindrucksvoll auch der 87-jährige Franz Mazura als ihr Vater Schigolch - es soll die sage und schreibe 21. Lulu-Inszenierung gewesen sein, in der der betagte Sänger mitwirkte, und man sah ihm bei jedem Schritt fasziniert zu. […]  Sie endet bei Alban Berg unter dem Messer von Jack the Ripper - ob es ein Mord war, bleibt unklar, denn dazu müsste Lulu ja irgendwann mal gelebt haben. Eine schauerliche Vorstellung, und ein überzeugender Theaterabend in Augsburg.

    BR2, 4 und 5, Peter Jungblut

  • Lulu presents a tall order for a smaller house, however distinguished; but to its credit Theater Augsburg’s effective new staging (heard February 14) featured ensemble members in all but two of the roles – most memorable from that ensemble was Frans Mazura […] Augsburg opted for Eberhard Kloke’s revised third act, which makes sense for smaller houses in terms of orchestral texture. […] The staging started with her mounting a spinnable target, which – in a Pop Art version by the Painter[…] becomes her iconic portrait.

    Monique Wagemakers’s intelligent production emphasized its own status as performance: in the green-room scene we got to see Lulu venturing entrances and dancing with a fan way upstage, and throughout she and Dr. Schön-Jack watched relevant action from a gallery above the main action, blocked largely on a revolving set (Momme Röhrbein) that in turn made apt use of multiple revolving glass doors. […]conductor Dirk Kaftan maintained a good balance and ensemble. Angelika Rieck’s colourful, raffish costumes also merited praise.

    Opera, David Shengold

  • Objekt Frau - Projekt Paarung

    Diese Augen, lebendig, doch fast ohne Lidschlag, riesig, hochkonzentriert dominieren sie den Bühnenhintergrund - und plötzlich blenden sie über, werden zu eisblauen, kalten Puppenaugen. […] Das Team, das für die Augsburger „Lulu" verantwortlich zeichnet, hat sich mit der Augenstudie auf die Vorgabe des Komponisten eingelassen, und das sagt vieles über das Konzept aus. […] Bloß keinen Voyeurismus, keine symbolschwangere Überfrachtung, keine Schwabinger Jahrhundertwende. Lulu, dieses gleichsam entgrätete Objekt einer Frau, wird durch die Wirtschaftskrise auf die Bühne gefegt. Die handwerklich tadellose Inszenierung von Monique Wagemakers und die Ausstattung (Angelika Riek und Momme Rörbein) passen perfekt zu der musikalisch wirklich gelungenen Umsetzung unter GMD Dirk Kaftan. […] Schigolch […] spielt in Augsburg Franz Mazura, Jahrgang 1924. Zwischen ihm und Lulu gelingen zwei starke Momente der Inszenierung: Ein zauberschönes Bild, wie der alt gewordene Schigolch die ewig junge Lulu zart umfängt - und ein schreckliches, wenn auch er plötzlich die Fratze des triebhaften Lustgreises zeigt.

    Donaukurier, Aichacher Zeitung, Sabine Busch-Frank

  • Liebestodsüchtig / Ins falsche Leben verirrt

    Alban Bergs „Lulu“ am Theater Augsburg, dirigiert von Dirk Kaftan  und Inszeniert von Monique Wagemakers

    Dem scharfen Stahl ausgesetzt ist dieser Körper ständig. Schon zu Beginn, wenn Lulu auf eine drehbare Zielscheibe geschnallt ist. Als Objekt des Messerwerfers, als zirzensische Zuschaustellung ihrer Wehrlosigkeit. Mehrfach kehrt das Symbol der Scheibe wieder, gegen Ende wird eine kreisrunder roter Stoff wie eine Leichentuch ausgebreitet. Da ist der Strich nicht mehr fern: Es ist die einzige echte Liebesszene, in der dieses ungreifbare Frauenwesen plötzlich ganz bei sich ist – in der tödlichen Umarmung von Jack the Ripper. […]  Sophia Christine Brommer meidet alle verruchten Klischees, ihre Lulu scheint sich oft erstaunt in ihren eigenen Traum verirrt zu haben.

    Opernwelt, Münchener Merkur, Markus Thiel

  • Angetan!

    Nach drei Stunden war das Publikum zwar angestrengt, aber begeistert. Alban Bergs Oper „Lulu“ wurde am Theater Augsburg zu einer rundum gelungen Produktion. […]  Die Lulu ist keine Anfängeroper, aber für eingefleischte Opernfans ein nicht oft gespielter Leckerbissen – besonders in Augsburg als ausgewogen, präzise Regiearbeit.

    Stadtzeitung, Stefan Gruber

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